Geschäfte mit Russland in der Krise

Über Russland existieren sehr gegensätzliche Meinungen und es ist immer noch nicht einfach Geschäfte in Russland zu machen. In der Wirtschaft und Politik kommen immer noch Korruption und Bürokratie vor. Auch im Bereich Logistik muss noch vieles verbessert werden: der zum Teil katastrophale Straßenzustand oder wenn es z.B. einen Fehler in den Unterlagen gibt, können die Transportwagen auch mehrere Wochen an der Zollstelle festgehalten werden. Um alle Anforderungen zu erfüllen, stellen die Unternehmen viele Rechtsanwälte und Buchhalter ein. Dennoch geben ausländische Unternehmen zu, dass sich die Rechtslage und Rechtssicherheit in Russland verbessert hat.

Russland ist weiterhin ein stark wachsender Markt und bietet viele Chancen und Perspektiven für internationale Unternehmen. Trotz aller bürokratischen Hürden und Wirtschaftskrise sind die ausländischen Unternehmen mit ihrem Russland-Geschäft zufrieden. Sie erzielen hier manchmal einen viel höheren Gewinn als in ihren Heimatsländern. Außerdem besetzen sie hier offene Marktnischen, die in Europa schon sehr viel Konkurrenz haben. Die internationalen Unternehmen gewinnen mit ihrem ausländischen Know-How immer mehr neue Kunden.

In Russland gibt es bereits mehr als 4000 deutsche Unternehmen. Sie machen einen guten Schnitt vor allem bei den Bauprojekten im Bereich Straßenbau oder Infrastruktur, da diese Branchen Millionen an staatlichen Mitteln erhalten. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftssektor ist die Industrie. So stellen z.B. viele deutsche Unternehmen technische Anlagen sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung für den russischen Markt her.

Große Gerichtsprozesse gegen russische Unternehmen und Konzerne waren zum Teil für die skeptischen Wirtschaftsprognosen mitverantwortlich. Diesen Prognosen zufolge findet ein verstärkter Abfluss von Kapital und Verschlechterung des Investitionsklimas statt: es werden keine neuen Projekte finanziert, weil die Banken dafür keine Kredite vergeben.

Für einige Unternehmen waren die Sanktionen eine Katastrophe. Die Mehrheit der Unternehmensmitglieder der Handelskammer (mehr als 800 Unternehmen) lehnt Sanktionen gegen Russland ab: 88% der Unternehmen lehnen die Sanktionen ab und nur 10% der Befragten unterstützen diese Maßnahmen. Die Anzahl der ausländischen Unternehmen in Russland hat sich im Vergleich zu der Zeit vor Einführung der Sanktionen nicht geändert. Alle Unternehmer, die in Russland einen Betrieb kaufen oder bauen wollten, haben es bereits gemacht, weil der Rubel sehr schwach geworden ist. Dennoch ist Russland kein Niedriglohnland mehr. Schon jetzt verdienen viele Arbeiter in Regionen die Hälfte des europäischen Gehalts, in manchen Branchen sind die Gehälter sogar höher als in der EU.